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Dubiose Geschäfte: Aufstieg und Fall der Familie Schnorff

Die reiche Erbauerfamilie des Bürgerhauses mischte am Frieden von Baden mit – knapp 20 Jahre  später folgten dubiose Geschäfte und der Ruin der Familie.

von Stefanie Garcia Lainez (Foto: Historisches Museum)

«Er legte eine politische Bilderbuchkarriere hin und trug zum erfolgreichen Verlauf der Friedensverhandlungen in Baden von 1714 bei», sagt Stadtführer Fredy Hauser. Die Rede ist von Schultheiss Kaspar Ludwig Schnorff. Während des Friedens von Baden, einer der Friedensschlüsse am Ende des Spanischen Erbfolgekriegs, war Schnorff verantwortlich für die Logistik und quartierte in seinem Sommerhaus den Prinzen Eugen von Savoyen ein, während der Graf von Saint Contest im «Paradies» wohnte. Beide gehörten zu den Unterzeichnern des Vertrages. Das «Paradies», das heute zu den schönsten Bürgerbauten der Altstadt Badens gehört, erstellte Schnorffs Urgrossvater: 1616 und 1624 kaufte Ulrich Schnorff die beiden Häuser «Barendiss» und «Hasen» am Cordulaplatz und vereinigte sie zum «Paradies».

Schon mit 21 Jahren wurde Kaspar Schnorff 1663 Hofrat, dann Hofmeister und schliesslich Hofkanzler des Klosters St. Gallen. «Somit war er der mächtigste Mann im Kloster», sagt Hauser. Mit 33 Jahren kehrte er zurück nach Baden, wurde direkt zum Schultheissen ernannt und hatte somit den Vorsitz über das Stadtgericht und die Stadtämter. 1681 erhielt er den Adelsbrief des deutschen Kaisers Leopold.

«Das war nicht selbstverständlich, gehörte doch Baden, und zwar als Untertanengebiet, damals schon zur souveränen Eidgenossenschaft», sagt Hauser. Das Kloster St. Blasien verlieh Schnorff darauf die Niedergerichtsherrschaft Schneisingen. «Mit dem ‹Leuehof›, einem kleinen Schloss, baute er 1681 den passenden Landsitz für die Familie», sagt Hauser. Kaspar Ludwig Schnorff starb 1721 im hohen Alter von 79 Jahren und hinterliess ein beträchtliches Vermögen.

«Sein Sohn Joseph Ludwig brachte es fertig, innert kürzester Zeit einen grossen Teil des Erbes zu verprassen.» Was er mit dem Geld anstellte, sei nicht ganz klar. «Er war wohl in undurchsichtige Geschäfte verstrickt und hatte sich systematisch Geld geliehen, um seinen teuren Lebenswandel zu finanzieren.» Er sei auch mit einer Falschmünzerei auf Schloss Schwarzwasserstelz bei Kaiserstuhl in Verbindung gebracht worden.

Ein Alchemist habe dort versucht, ein Rezept für die Herstellung von Gold zu finden, um daraus Münzen zu machen. Nach seinem Tod 1736 musste über seine Witwe Elisabeth Dorer der Konkurs eröffnet werden. 1798 verkauften die Schnorffs ihren Besitz an die Familien Rohner und Bräm. Die Familie Schnorff starb 1827 aus, mangels männlicher Nachkommen.

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